Räubern in Connewitz - Obelix & ein Pommes


Ein sonniger Tag mit Obelix in Connewitz beginnt wie immer mit einer Runde um die Paul-Gerhardt-Kirche. Diese Runde ist wohl der beliebteste Hunde-kurz-mal-pinkeln-lassen-Treff in Connewitz, denn man trifft, egal zu welcher Uhrzeit, immer einen anderen Hund, oft auch einen anderen Arschlochhund, was meist zu sehr entspannten Begegnungen führt.

Nachdem wir uns am bellenden Jack Russel vorbeigeschlichen, den alten Staff begrüßt und den Dackelmix ignoriert haben, konzentriere ich mich auf meine Kamera, um ein paar Einstellungen vorzunehmen. Währenddessen schleicht sich Herr Obelix klammheimlich hinter einen Baum und verschlingt schnellstmöglich liegengelassene Pommes in einer Plasteverpackung. So schnell und grazil, wie ich morgens um diese Uhrzeit bin, renne ich keuchend zum Baum - heutzutage hat man ja immer Angst es könnte ein Giftköder hinter jeder Ecke stecken. Obelix schaut stark verzweifelt auf, denn er hatte noch nicht alles geschafft, während ich schon engelsgleich „AUS“ brülle, wegen der Angst vor Giftködern eben. Am Tatort angekommen, atme ich tief ein – Pommes Rot-Weiß – wer hätte das gedacht. Nun kann es weiter gehen - ich sauer auf mich, dass ich nicht aufmerksam war und um diese Uhrzeit einfach noch nicht in der Lage bin zu rennen, Obelix sauer auf sich, dass er nicht schnell genug war. 

 

Aber gut 1:0 für Räuber Obelix.

Dann geht es ab Richtung Wildpark. Der schöne Wildpark: tausend Wege, viel Bärlauch, Wildtiere, Schlamm, wunderschöne Blumen und hohe Bäume, Zecken, Flüsse  und viele viele Orte zum rumräubern.

 

Die ersten 300 Meter zum Wildpark sind unser täglicher Stop-and-go Parcour, denn es folgen sechs Bordsteinkanten, an denen wir mit stoischer Langeweile stehen bleiben, nach Autos schauen und dann mit einem saftigen „LOS!“ nach vorne preschen, bis hin zur nächsten Bordsteinkante. Obelix hat es mittlerweile so verinnerlicht, dass er sogar im Winter bei viel Schnee genau weiß, wann eine Kante kommt zum Halten und dies dann stolz oder auch gelangweilt zeigt.

Da Obelix aka Herr O. zu 95% ohne Leine herumlaufen darf, ist das ein praktisches Gimmick für uns beide. Und genau aus diesem Grunde liebe ich diesen Stadtteil. Denn selten wird es, sowohl von Jung und Alt als auch von spießig und nicht spießig, akzeptiert, dass hier die Hunde losgelassen sein dürfen, wie in diesem Viertel in Leipzig.

 

Natürlich finde ich es selbstverständlich Herrn O. heranzurufen, sollte ein Kind, eine alte Punk-Omi oder ein anderer Hund an einer Leine entgegenkommen, aber ansonsten darf er rumräubern, wo er möchte.

 

Nach einer guten Stunde im Wildpark treten wir nun den Rückweg an - verschlammt, nach Bärlauch riechend und hungrig. Also noch ein kurzer Stopp am kleinen Konsum mit den netten Omis. Obelix muss draußen warten, während ich einkaufe und auch das kann er schon seit einigen Jahren perfekt ohne Leine. Auch hier haben wir unser tägliches Ritual. Wenn ich aus dem Konsum heraustrete und Herr O. sitzt noch an derselben Stelle, dann veranstalte ich ein Fest der Freude mit ihm. Dabei vergessen wir die Portion Pommes vom Anfang und trotten unsere sechs Bordsteinkanten zurück nach Hause. Nun aber alles etwas langsamer, denn auch Arschlochhunden geht irgendwann die Puste aus und soetwas wie Pommes gibt es eben nur an unserer Kirche.

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